Tobias Renggli: «Ich unternahm einige sehr coole Velo- und Bergtouren, oft direkt vor den Türen der Jugendherbergen»

Tobias Renggli ist nicht nur ein Abenteurer durch und durch, sondern auch Jugendherbergs-Fan. Im Interview spricht er über sein Amt als Delegierter, seine beeindruckendsten Erfahrungen auf Reisen und neue, spannende Projekte.

Von 2024–2027 ist der jun­ge Out­door-Enthu­si­ast Tobi­as Renggli im Amt als Dele­gier­ter der Schwei­zer Jugend­her­ber­gen. Im Jahr 2023 begeis­ter­te der Sport­ler zahl­rei­che Men­schen mit sei­nem Erleb­nis­vor­trag am Com­mu­ni­ty-Event in der Jugend­her­ber­ge Zürich und spä­ter dar­über hin­aus auf den gros­sen Büh­nen von Explo­ra Events. Wir haben mit ihm über sei­ne Jugi-Auf­ent­hal­te, die Rei­sen ins Unbe­kann­te und span­nen­de neue Pro­jek­te gespro­chen.

Nina: Du bist Dele­gier­ter bei den Schwei­zer Jugend­her­ber­gen – was bedeu­ten die Jugis für dich?

Tobi­as: Für mich sind die Jugend­her­ber­gen ein Ort zum Abschal­ten. Es fühlt sich wie Feri­en an, auch wenn man gar nicht weit weg ist. Ich bin am liebs­ten mit Freun­din­nen und Freun­den in den Ber­gen unter­wegs –unkom­pli­ziert und ohne viel Auf­wand. Dafür sind die Jugis opti­mal.

Wel­ches ist dei­ne Lieb­lings-Jugend­her­ber­ge?

Defi­ni­tiv Saas Fee – Well­ness und Ber­ge, das ist ziem­lich per­fekt. 🙂

Von der Jugend­her­ber­ge Inter­la­ken aus hat Tobi­as schon den Bri­en­zer­grat bestie­gen. © Tobi­as Renggli

Wel­che Erin­ne­run­gen ver­bin­dest du mit dei­nen Jugi-Auf­ent­hal­ten?

Bei mir sind es im Gegen­satz zu vie­len ande­ren kei­ne Kindheits‑, oder Klas­sen­la­ger-Erin­ne­run­gen. Ich habe die Schwei­zer Jugend­her­ber­gen erst vor ein paar Jah­ren so rich­tig ent­deckt. Seit­her unter­nahm ich eini­ge sehr coo­le Velo- und Berg­tou­ren, oft direkt vor den Türen der Jugend­her­ber­gen. Mor­gens los, abends müde zurück. Ganz sim­pel, aber genau das ist ja das Schö­ne.

Wie­so soll­ten jun­ge Men­schen dei­ner Mei­nung nach in den Schwei­zer Jugend­her­ber­gen über­nach­ten?

Die Hos­tels sind viel moder­ner und coo­ler, als man denkt. In Saas-Fee oder Laax gibt’s zum Bei­spiel her­vor­ra­gen­de Well­ness-Berei­che! Und die Lage ist oft super. Ide­al, wenn man mit Freun­den unter­wegs ist. Und dazu sind sie noch preis­wert!

Pau­sen­stopp am Neu­en­bur­ger­see. © Black Forest Coll­ec­ti­ve

Du hast bereits eini­ge Aben­teu­er fern der Lan­des­gren­ze erlebt. Wie kamst du auf die Idee, mit 18/19 Jah­ren 44 Län­der mit dem Velo zu berei­sen? Und wes­halb über­all die Haupt­stadt und den höchs­ten Berg bestei­gen?

Das ist aus mei­ner Matu­ra­ar­beit her­aus ent­stan­den. Dafür bin ich mit 16 Jah­ren mit dem Velo in alle 250 Städ­te der Schweiz gereist und zu Fuss in allen 26 Kan­to­nen auf den höchs­ten Berg gestie­gen. Das war cool! Ein fan­tas­ti­scher Som­mer, direkt vor der Haus­tür, auf eine ganz simp­le Art und Wei­se. Dann hat­te ich zwi­schen Mili­tär und Stu­di­um ein paar Mona­te Zeit und dach­te mir, ich könn­te das Glei­che noch­mal machen, ein­fach in Euro­pa. Also alle 44 Län­der berei­sen und über­all die Haupt­stadt und den höchs­ten Berg besu­chen. So sieht man auto­ma­tisch sehr viel in jedem Land und ich mag die Kom­bi aus Velo­fah­ren und Berg­stei­gen, aus Städ­ten und Natur…

Am liebs­ten ist Tobi­as mit dem Velo unter­wegs – wie hier in der West­schweiz. © Black Forest Coll­ec­ti­ve

Was war dein ein­präg­sams­tes Erleb­nis auf die­ser Rei­se?

Da gab’s eini­ges: Hun­de­biss in Alba­ni­en, Lebens­mit­tel­ver­gif­tung in der Tür­kei, wochen­lan­ges Schnee­cha­os in Skan­di­na­vi­en, Ver­haf­tung an der Gren­ze zu Bela­rus, dubio­se Gestal­ten und vie­le Über­nach­tun­gen an nicht unbe­dingt über­nach­tungs­taug­li­chen Orten. Aber es gab auch ganz tol­le Begeg­nun­gen. Was ich als beson­ders inten­siv, zugleich aber auch als sehr berei­chernd emp­fand, war die Zeit mit mir allein und mei­nen Gedan­ken. Man hat unend­lich viel Zeit zum Nach­den­ken – sowas hat man sonst kaum. Wenn man so viel Zeit allein ver­bringt, lernt man sich auf allen Ebe­nen selbst bes­ser ken­nen.

Für die­sen Aus­blick loh­nen sich alle Mühe und Not. Tobi­as geniesst sei­nen Lieb­lings­son­nen­un­ter­gang auf dem Berg­mas­siv Les Dia­bler­ets. © Black Forest Coll­ec­ti­ve

Dein gröss­tes Lear­ning?

Es kommt alles irgend­wie gut, wenn man ein­fach los­geht und sich dar­auf ein­lässt.

Und der schöns­te Moment?

Der letz­te Gip­fel Grand Paradi­so mit einer Höhe von 4061 Metern in Ita­li­en. Und die Ankunft zu Hau­se.

Geschafft! Der letz­te Gip­fel auf der Euro­pa­tour war der Gran Paradi­so. © Tobi­as Renggli

Was rätst du ande­ren jun­gen Men­schen, die eine sol­che Rei­se wagen möch­ten?

Ein­fach machen. Es ist gar nicht so kom­pli­ziert, es braucht ein­fach ein biss­chen Mut.

Was bedeu­tet Rei­sen für dich?

Rei­sen bedeu­tet für mich, die Welt mit neu­en Augen zu sehen. Es ist eine Mög­lich­keit, aus dem All­tag aus­zu­bre­chen, die Kom­fort­zo­ne zu ver­las­sen, Hori­zon­te zu erwei­tern, ande­re Kul­tu­ren ken­nen­zu­ler­nen und sich selbst bes­ser zu ver­ste­hen. Rei­sen bringt Inspi­ra­ti­on, Begeg­nun­gen mit Men­schen und Momen­te, die lebens­lang in Erin­ne­rung blei­ben. Es ist nicht nur ein Orts­wech­sel, son­dern eine Erfah­rung, die ver­än­dert.

Nach einem stren­gen Auf­stieg folgt die Beloh­nung: ein wun­der­schö­ner Son­nen­auf­gang auf der Dufour­spit­ze. © Black Forest Coll­ec­ti­ve

Du hast auf den Dis­co­very Days in Flims von dei­nem Aben­teu­er erzählt. Was hat die­ser Auf­tritt für dich bedeu­tet?

Das war ein beson­de­rer Moment, der viel ins Rol­len gebracht hat! Über 1000 Leu­te sas­sen im Publi­kum, das war schon spe­zi­ell. Ich war über­rascht, wie vie­le Leu­te sich für mei­ne Rei­se inter­es­siert haben! Und mit dem Preis für den zweit­bes­ten Vor­trag hät­te ich auch nicht gerech­net. Ich habe mei­ne Rei­se ja nicht geplant, um dar­aus Vor­trä­ge zu machen… Seit­her hat­te ich über 40 Vor­trä­ge im In- und Aus­land und lau­fend kom­men neue Anfra­gen rein. Das High­light war sicher­lich die sehr erfolg­rei­che und gröss­ten­teils aus­ver­kauf­te Vor­trags-Tour mit Explo­ra in 14 Städ­ten in der gan­zen Schweiz. Zudem habe ich bei den Dis­co­very Days auch ein paar Fil­me­ma­cher ken­nen­ge­lernt. Mit ihnen habe ich letz­ten Som­mer ein inter­na­tio­nal erfolg­rei­ches Film­pro­jekt umge­setzt. Und schluss­end­lich habe ich per Zufall noch einen Job bei Explo­ra erhal­ten.

Durch dei­nen Job bei Explo­ra hast du einen guten Ein­blick in die Welt der Abenteurer§innen und Storyteller§innen. Was sind dei­ne per­sön­li­chen Top-Drei Tipps der nächs­ten Vor­trags­sai­son im Win­ter 2025/26?

  • WILDES LAND – ALASKA
    Flo­ri­an Schulz ist einer der erfolg­reichs­ten Natur­fo­to­gra­fen und ‑Fil­me­ma­chern der Welt! Sei­ne Auf­nah­men und sei­ne Lebens­ge­schich­te sind beein­dru­ckend. Sie inspi­rie­ren dazu, den eige­nen Träu­men zu fol­gen.
  • ABGEDREHT
    Die bei­den Frau­en Johan­na und Tan­ja reis­ten mit dem Velo von Kap­stadt nach Wien. Das ist aber kein gewöhn­li­cher 0815-Rad­rei­se-Vor­trag! Die Vor­stel­lung ist humor­voll und krea­tiv. Damit haben sie letz­tes Jahr bei den Dis­co­very Days zurecht den ers­ten Preis gewon­nen. Abso­lut sehens­wert!
  • AFRIKA EXTREM
    Richard Gress unter­nimmt extre­me Aben­teu­er, erlebt aus­ser­ge­wöhn­li­che Tier­be­geg­nun­gen und absol­viert Expe­di­tio­nen in die ursprüng­lichs­ten Regio­nen der Erde. Gros­se Emp­feh­lung!

Full House bei Tobi­as Rei­se­vor­trag an den Dis­co­very Days in Flims von Explo­ra Events. © Explo­ra Events

Wirst du irgend­wann auch wie­der auf der Büh­ne ste­hen?

Hof­fent­lich! Ich schlies­se dem­nächst mein Bache­lor­stu­di­um in Gesund­heits­wis­sen­schaf­ten und Tech­no­lo­gie an der ETH ab und arbei­te gera­de inten­siv an mei­nem nächs­ten Pro­jekt. Eigent­lich das Glei­che wie vor drei Jah­ren in Euro­pa – nur auf einem neu­en Kon­ti­nent. Es wird grös­ser, wil­der, wei­ter, anspruchs­vol­ler und hof­fent­lich noch coo­ler als die letz­te Rei­se. Es macht mich aber auch ein biss­chen ner­vös – jedoch im bes­ten Sin­ne. Und wenn’s das nicht tun wür­de, dann wär’s wohl kein ech­tes Aben­teu­er. Ich freue mich!

Über Tobias Renggli

Tobi ist 22 Jah­re alt, stu­diert an der ETH aber ist öfter ober­halb der Baum­gren­ze als im Hör­saal anzu­tref­fen. Er ist am liebs­ten unter­wegs, zu Fuss, mit dem Velo, in den Ber­gen, im Kopf. Er mag’s lang, weit, echt, draus­sen. Mit 16 war er Schwei­zer­meis­ter im Berg­lauf. Mit 18 ist er allein durch ganz Euro­pa gereist: 44 Län­der, jede Haupt­stadt, jeder höchs­te Gip­fel. Unmo­to­ri­siert, so wie immer. Ein­fach mit Neu­gier, Aus­dau­er und dem fes­ten Glau­ben, dass am Schluss alles irgend­wie gut kommt. Heu­te steht er nicht nur auf Ber­gen, son­dern auch als Vor­trags­re­fe­rent auf Büh­nen.

Hier gibt’s noch mehr Infor­ma­tio­nen über Tobi!

Foto_Tobias_Renggli
facebook
Twitter
Insights Outdoor

Kommentar verfassen