Klimafreundlich Heizen mit Holz

Kürzlich sagte das Zürcher Stimmvolk mit 62,2 % Ja zum Energiegesetz: Neue Heizungen sollen in Zukunft klimaneutral sein. Auch andere Kantone haben ein revidiertes Energiegesetz. Wir haben bei Hans-Urs Häfeli (Schweizerische Stiftung für Sozialtourismus SSST) nachgefragt, was die Schweizer Jugendherbergen fürs Klima tun - und warum Holzpellets eine klimafreundliche Heizvariante darstellen.

Hans-Urs, du bist bei der Schweizerischen Stiftung für Sozialtourismus als Architekt tätig. Wie sieht der Zusammenhang mit den Schweizer Jugendherbergen (SJH) aus und welche Berührungspunkte hattest Du mit umweltgerechtem Heizen?

Die SSST ist die Liegenschaftsverwaltung der Schweizer Jugendherbergen und die Besitzerin von einem grossen Teil der Jugendherbergen in der Schweiz. Sie ist für die Planung, den Bau und den Unterhalt der Jugendherbergen verantwortlich – also auch für das Heizkonzept.

Warum ist klimafreundliches Heizen ein wichtiges Thema für die Schweizer Jugendherbergen?

Nachhaltigkeit ist seit Langem ein wichtiger Bestandteil unserer Organisationsphilosophie. Solche Fragen beschäftigen uns nicht erst seit der Abstimmung zum Co2-Gesetz oder zum Energiegesetz.

Die SJH wollen auf allen Ebenen nachhaltig sein – im Umgang mit Anspruchsgruppen, bei der Gestaltung von Produkten und beim Umweltschutz. Dazu gehört auch ein Vernünftiger Verbrauch von Ressourcen. Die Umstellung auf eine umweltgerechte Heizmethode ist dabei ein Faktor mit sehr grossem Effekt.

Heizen mit Holz ist einer unserer Trümpfe für aktiven Umweltschutz

Welche Strategien verfolgen die SJH, um Klimaschutz umzusetzen?

Unsere Klimaschutzziele bei den SJH richten sich nach drei Hauptzielen: Energieverbrauch reduzieren – weg von fossilen Brennstoffen (substituieren) – Restverbrauch kompensieren.

Bei der Schweizerischen Stiftung für Sozialtourismus (SSST) können wir vor allem bei Neubau und Umbau den zweiten Punkt beeinflussen. Aber auch beim ersten und dritten Ziel können wir mithelfen, den CO2-Ausstoss möglichst effizient zu verringern. Das kann man so erklären:

1. Verbrauch reduzieren (Energie sparen): Hier denke ich vor allem an betriebliche Optimierungen wie effizientes Lüften, Verwendung von effizienten Leuchtmitteln oder den Einsatz von Sparbrausen bei Duschen. Baulich kann man mit einer guten Fassadenisolation sehr viel bewirken. In St. Moritz z.B. haben wir dank einer Neudämmung den Heizbedarf halbiert (trotz Aufstockung).

2. Substituieren: Der zentrale Aspekt ist die Umstellung von Öl- und Gasheizungen auf nicht-fossile Energieträger, d.h. die Investition in erneuerbare Energien. Hier kommt neben Photovoltaik-Anlagen, Solarwärme und Wärmepumpen auch die Holzpellet-Heizung ins Spiel.

3. Restverbrauch kompensieren: Dies ist dank der CO2-Kompensation durch unsere Gäste möglich. Bei jeder Übernachtung kann der Gast einen freiwilligen Beitrag leisten, der seitens der Jugendherberge nochmals verdoppelt wird (am Green Friday sogar vervierfacht).

Der Endbetrag fliesst in den Nachhaltigkeitsfonds der SJH, womit wiederum globale und lokale Projekte finanziert werden können; unter anderem auch neue Holzpellet-Heizungen. Seit über 10 Jahren arbeiten die SJH bei der CO2-Kompensation mit myclimate zusammen, welches das gemeinsame Projekt zur schweizweiten Bewegung «cause we care» ausgeweitet hat. So können wir gemeinsam mit unseren Gästen die Weichen für eine nachhaltigere Zukunft stellen.

Gemeinsam für eine grüne Zukunft: So funktioniert die CO2-Kompensation.

Warum ist Heizen mit Holz so viel klimaschonender?

Im Gegensatz zu Öl- und Gasheizungen sind Holzheizungen CO2-neutral. Sie sind ein konkreter Beitrag zum Klimaschutz, weil die Verbrennung von Holz nur so viel CO2 freisetzt, wie ein Baum während des Wachstums aus der Atmosphäre aufgenommen hatte.

Die Gesamtbilanz beim Heizen mit Holz liegt also bei Null, und genau das ist das Ziel. Öl- und Gasheizungen hingegen stossen beim Verbrauch Kohlendioxid (CO2) aus, das vorher gebunden war – zudem wachsen die Brennstoffe nicht nach. Kommt dazu, dass das Holz für unsere Heizungen (Pellets, Schnitzel etc.) in der Schweiz produziert wird und somit lange Transportwege wegfallen. Wie man weiss, wird das Öl ja in die Schweiz importiert (laut einem Bericht von SRF grösstenteils aus Nigeria, den USA, Libyen und Kasachstan).

Wärme aus Holz ist klimaneutral, weil das CO2 im Kreislauf bleibt ©www.waermeausholz.at

Inwiefern verringert sich der CO2-Fussabdruck dank einer Holzpellet-Heizung?

Dazu kann ich zwei Beispiele aus unserem Netzwerk nennen: 2014 haben wir die Ölheizung in der Jugendherberge Davos Youthpalace durch eine Holzpellet-Heizung ersetzt. Dadurch lassen sich jährlich ca. 65 000 Liter Heizöl sparen (entspricht dem durchschnittlichem Jahresverbrauch von 26 Einfamilienhäusern) und somit 175 Tonnen an CO2-Emissionen reduzieren.

Die Jugendherberge St. Moritz heizt ebenfalls mit dieser Technologie und spart seit 2010 rund 90 000 Liter Heizöl pro Jahr. Die Umstellung auf Holzpellets war Bestandteil einer umfassenden energetischen Sanierung des Gebäudes. Dank Holzpellet-Heizung, Sonnenkollektoren, Photovoltaik und dem Einkauf des Stroms aus erneuerbaren Energien (Wasserkraft) funktioniert der Betrieb bezüglich Wärme und Strom nun komplett klimaneutral.

Die Fassade der Jugendherberge St. Moritz garantiert dank effizienter Isolation einen niedrigeren Heizbedarf

Auch Sonnenkollektoren tragen in St. Moritz zum Klimaschutz bei

Wie teuer ist eine Holzpellet-Heizung? Warum sind bis jetzt nur drei Jugendherbergen damit ausgestattet?

Holzpellet-Heizungen sind nicht viel kostspieliger als herkömmliche Heizungen mit Öl oder Gas: Bei einem Neubau kommen Sie nur geringfügig teurer. Der Einsatz ist vor allem bei einer umfassenden Sanierung oder einem Neubau eine sinnvolle Option.

Allerdings wäre es wenig sinnvoll, sämtliche Heizungen mit fossilen Brennstoffen per sofort durch Holzheizungen zu ersetzen, auch die Ressource Holz ist beschränkt. Bei einem Projekt ist die Holzpellet-Heizung also immer eine unter mehreren möglichen Varianten, die wir berücksichtigen.

In Valbella haben wir als Vorreiter mit dieser Strategie schon 2006 erfolgreich gestartet und die erste Holzpellet-Heizung eingebaut (2006); anschliessend kamen St. Moritz (2010) und Davos dazu (2014).

Holzpelletheizung in der Jugendherberge Davos © Hans-Urs

Was muss man bei einer Holzpellet-Heizung beachten? Hat sie auch Nachteile?

Man sollte einberechnen, dass es für die Pellets ein Pellets-Lager braucht. Ein solches Lager nimmt etwas mehr Raum ein als ein Öltank.

Beim Verbrennen von Holz entsteht zudem Feinstaub. Wichtig sind daher moderne Anlagen mit guten Abgasfiltern und eine fachgerechte Entsorgung der Asche.

Was ist mit den neueren Betrieben? Wie wird dort geheizt?

Bei Neubauten setzen wir immer auf CO2-neutrale, also klimaneutrale Heizungen und wählen die sinnvollste Variante. In Trin (ein neuerer Franchise-Betrieb) beispielsweise betreibt man eine Holzschnitzelheizung, wohingegen unsere neuen Wellnesshostels (Laax wellnessHostel3000 und Saas-Fee wellnessHostel4000) jeweils an ein ökologisches Fernwärmenetz angeschlossen sind.

Im Blogbeitrag Maximales Reiseerlebnis mit minimalem CO2-Fussabdruck kannst Du nachlesen, wie man in Laax und Saas-Fee für energiebewusstes Relaxen sorgt.

Auch für den Umbau der Jugendherberge Trin setzte man auf einheimisches Holz aus dem umliegenden Bergwald

Wellness geht auch klimafreundlich: In Saas-Fee klappt’s dank Anschluss ans solare Fernwärmenetz

Im Laax wellnessHostel3000 heizen wir klimaneutral dank Anschluss ans regionale Holzheizwerk

Sind weitere Holzpellet-Heizungen geplant?

Wie gesagt: Da eine Umstellung auf erneuerbare Energie sehr viel bringt, prüfen wir bei jedem Umbau oder Neubau Alternativen wie Holzpellet-Heizungen, Wärmepumpen, Fernwärme, Sonnenkollektoren oder Photovoltaikanlagen – bzw. kombinierte Lösungen. Aktuell sind wir in der Planung für eine neue Jugendherberge in Genf, diese soll an ein grosses Fernwärmenetz angeschlossen werden, welches ebenfalls auf CO2-neutraler Energie beruht.

Wie kann ich als Gast in der Jugendherberge meinen Beitrag zum Klimaschutz leisten?

Mit den drei oben erwähnten Zielen vor Augen, welche primär in unserer Verantwortung sind, kann eigentlich nichts schiefgehen: Du kannst somit deinen Aufenthalt in einer Jugendherberge ohne lästige Verhaltensregeln in vollen Zügen geniessen, solange du nicht gerade über die Massen unter der Dusche stehst. Wenn du dich für Ferien in einer Jugendherberge entschieden hast, ist deine Wahl sowieso schon auf eine nachhaltige Unterkunft gefallen.

Trotzdem kannst Du als Einzelperson noch mehr für die Umwelt tun, indem Du mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, jeweils unsere vegetarische oder vegane Menuvariante wählst, wenig Abfall generierst und dich für die freiwillige CO2-Kompensation von CHF 0.30 pro Nacht/Person entscheidest. Auf diese Weise können wir gemeinsam eine nachhaltige Zukunft gestalten.

Danke, dass du mit uns zusammen fürs Klima einstehst!

Ein Interview mit Hans-Urs

HansUrs_Haefeli

Verschnaufpause mit Blick auf den Gletscher ©Hans-Urs

Hans-Urs Häfeli ist Architekt und Projektleiter bei der Schweizerischen Stiftung für Sozialtourismus. Die SSST ist für den Bau und den Unterhalt der Jugendherbergen in der Schweiz verantwortlich. Als begeisterter Biker liebt Hans-Urs das Abenteuer in der freien Natur.

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